Mittwoch, 3. April 2013

Deutschland - København - Ísland

"In Island ist immer schlechtes Wetter!" "Da gibts doch nichts!" "Du willst Schafe züchten?" "Suchst dir dann einen Schäfer?"

Das sind nur wenige der Aussagen, die ich während dem letzten halben Jahr regelmäßig gehört habe. Und jedes Mal konnte ich eigentlich nur mit den Schultern zucken. Klar ist es kalt, Reykjavík ist die nördlichste Hauptstadt der Welt. Natürlich gibt's da was, und lass es "nur" schneebedeckte Berge (Vulkane), das Meer, bunte Dächer oder auch Schafe und Pferde sein. Und NEIN, ich will nicht Schäferin werden, weder Schafe züchten, noch mir einen bärigen Isländer schnappen. :)

Letztendlich konnte ich aber nicht wirklich auf solche Aussagen etwas antworten. Wie auch? Niemand da, den ich fragen kann. Mein ganzes Wissen beschränkte sich auf ein paar Bücher und die konnten unterschiedlicher nicht sein. 
Also was solls, theoretisches Wissen aneignen und los gehts! Und zwar morgens um halb vier!

Da mein Flieger um 6:20 Uhr ab Stuttgart flug, hieß es für mich und meine Eltern um drei Uhr aufstehen und ab zum Flughafen. Mit dem Kaffee to go hab ichs sogar geschafft, wach zu bleiben bis dahin. Also einchecken, Koffer aufgeben, durch die Sicherheitsschleuse (ausnahmsweise mal wieder ohne Biiiiiieeeeep) und ab ins Flugzeug. Ein letztes Mal Facebook checken, die letzten guten Wünsche in Empfang nehmen und ab in den Sonnenaufgang.



Meine Zwischenstation war Kopenhagen. Beim Flug über die Ostseeküste nach København hab nun auch mal ich gesehen, warum alle immer sagen im Norden seis platt. Das sieht ja aus wie eine 2D-Zeichnung! Was ist denn da passiert? :)


2D oder was?:)
Nun gut, nach anderthalb Stunden Flug dann Landung in København Flughafen. Ich hatte wie damals auf meinem Flug nach Melbourne sechs Stunden Aufenthalt (Damals in Shanghai). Da es dieses Mal aber keine Probleme gab, aufgrund einer nicht-vorhandenen Weiterflug-Bestätigung, hatte ich dieses Mal die vollen sechs Stunden Zeit zu vertreiben. Rumlaufen bis die Füße und der Rücken schmerzten (Rucksack mit Übergepäck J), mit Müh und Not die Augen aufhalten, wenn ich denn mal saß und immer wieder versuchen mit Kaffee oder Cola einen Energieschub zu verursachen, leider mit mäßigem Erfolg.

CPH Flughafen bei strahlendem Sonnenschein
2. Frühstück nach der Brezel am frühen Morgen in Stuttgart


Nach unendlich langen 5 ½ Stunden durfte ich dann endlich wieder ins Flugzeug steigen, leider kein Fensterplatz dieses Mal. Umgeben war ich von einem Dänen und einem Isländer (Der zufällig auch noch aus der Gegend kommt, wo der Hof liegt und ihn auch noch kannte… Island IST klein! :)), die sich kannten, aus irgendeinem Grund, aber nicht nebeneinander saßen. Losgeflogen im schönsten Sonnenschein kamen dann zwischen der zerklüfteten finnischen Küste und den Färöer Inseln die Wolken, sodass ich den ersten Blick auf Islands Küste verpasste. Irgendwann dann kam jedoch ein Loch in der Wolkenwand, in dem dann ein riesiger schneebedeckter Berg zum Vorschein kam. Ich hab natürlich sofort meine Kamera gezückt. 

Eyjafjallajökull - 2010 in aller Munde (bei den Isländern wahrscheinlich sogar wörtlich zu nehmen. :) )
Faszinierende Wolkenschichten und -formen über Island
Der Däne war dann auch so nett und hat mich aufgeklärt, dass das der Vulkan Eyjafjallajökull war und hat mich auch gleich ans Fenster sitzen lassen, da er den schon ein paar Mal gesehen hatte. Beeindruckend war der auf jeden Fall! Allerdings hatte ich mir so einen gewaltigen Vulkan, der vor 3 Jahren die ganze Welt beschäftigte, irgendwie anders vorgestellt. Vielleicht nicht schneebedeckt durch das brodelnde Innere? Feuer/Rauch/Aschewolkenspeiend? Nunja, bis ich fertig gedacht hatte gings auch schon in Landeanflug und der erste Küstenstreifen kam in Sichtweite. WOW! Oder auch nicht. Küste und Meer trennen sich ganz klar, die Küste sieht braun und schwarz aus. Als das Flugzeug sinkt tauchen vereinzelt die ersten Häuser auf. Landung nach 15 Stunden Reisezeit am Zielort Keflavik Flughafen, Island bei + 6°C und Wind.


Mit dem Shuttlebus geht es zum Hostel nach Reykjavik. Auf der Fahrt bin ich erstmal ein bisschen enttäuscht. Das ist ja alles hellbraun, dunkelbraun, mittelbraun, schwarz! Nur am Horizont zeigen sich schneebedeckte Berge oder auf der anderen Seite das Meer. Selbst der Himmel ist noch etwas grau. Keine Bäume in Sicht und wenn mal ein Haus auftaucht, duckt es sich einstöckig auf den Boden. Isoliert mit Wellblech oder einem rauen Verputz. Alle passend zur Umgebung, grau in grau. Es werfen sich Fragen auf, was mach ich hier eigentlich? Wenn die Leute DAS wild und rau und wunderschön nennen, dann weiß ich auch nicht… Geschmacksverirrung?




Aber schon als die ersten Häuser des Stadtrandes von Reykjavik auftauchen ändert sich langsam mein Eindruck. Die ersten bunten Dächer tauchen auf. Nach einer ziemlich langen Fahrt an verschiedenen Hotels und Hostels vorbei, an Häusern im Kasernenstil oder weiteren Blockhäusern, kommen wir dann endlich an meinem Hostel an – dem Reykjavik City Hostel. 

die ersten Häuser von Reykjavik
Äußerlich kaum zu unterscheiden von den grauen Blöcken drum herum. Da ich zuletzt morgens ein überteuertes Bagel am Kopenhagener Flughafen gegessen hatte, war mein Loch im Magen dementsprechend groß. Aus diesem Grund wars nur kurz Koffer nach oben schleppen in mein gebuchtes 4-Bett-Zimmer, Schuhe wechseln, überflüssiges aus dem Rucksack raus und wieder auf die Straße. Mit der Karte in der Hand und Empfehlungen der Hostel-Rezeptionistin im Hinterkopf gings ab zum Stadtzentrum. Immer schön am Meer entlang und die Aussicht auf Esja genießen. 

der Blick zurück - Esja im Hintergrund
Vorbei an verschiedenen Kunstobjekten, faszinierender Häuserdifferenzen (modern – ursprünglich) und der Oper von Reykjavik. 


Alt - Modern
Die Oper


Der Hafen mit Küstenwache und Oper rechts im Bild
Ziel war ein kleines Lokal direkt am Hafen angesiedelt, dem Meeresbaron (engl. Seabaron) oder auch Sӕgreifinn genannt. Hier wurde mir eine Humarsúpa ans Herz gelegt (stand sogar im Reiseführer), die ich natürlich nicht ausschlagen konnte. Wer vielleicht gut im Raten ist, kann sich vielleicht denken, dass es sich hierbei um eine Hummersuppe handelt. Außerdem gab es verschiedene Fischspieße auszuwählen, bei denen ich mich dann für die Garnelen-Version entschied. Im Angebot war auch Wal, aber da ich noch vorhabe, in meiner Zeit hier, mit dem Boot Wale besichtigen zu gehen, hat sich da mein Gewissen geregt (zumal „was dr Baur net kennt, isstr net“ oder so ähnlich zumindest. ;)). Dennoch konnte ich mich nicht beklagen. An einem originellen Tisch auf blauen Plastiktonnen sitzend aß ich dann die Gerichte und ich kann nur sagen, dieses Mal hatte der Reiseführer (und die Rezeptionistin) Recht. Die Suppe war absolut lecker und hat mir vor Freude sogar ein paar Tränchen in die Augen gedrückt (oder lags doch am Chili?). Der Spieß hat dann gegrillt auch sehr lecker geschmeckt. 




Humarsúpa

Langsam (so um halb neun) ging dann auch die Sonne dann mal unter. 


Jetzt nur noch zurück ins Hostel und ab ins Bett. Nach langem Fußmarsch mit ein paar Umwegen kam ich dann sogar relativ munter noch an. 



See am Rathaus
Hallgrímskirkja - mein erklärtes Ziel für den nächsten Morgen
Schnell noch kurz die vor dem Essen gebuchten Trips bezahlen und ab ins Bett. Schlafen bis am nächsten Morgen der Wecker klingelt. Es war in Reykjavik zwar erst zehn Uhr, aber durch die Zeitverschiebung von zwei Stunden und dem langen Tag war ich doch extrem müde und glücklich in ein Bett zu kommen. Letztes Mal Muskeln antspannen, ins obere Stockbett klettern, in Schlafsack schlüpfen und weg war ich.

4 Kommentare:

  1. Ich entschuldige mich übrigens im Namen von Blogspot.de falls irgendwelche Formatierungen komisch erscheinen mögen (Schriftgrößen, Zeilenabstand, Anordnung von Bildern,....). Blogspot.de macht es mir leider nicht einfach zu verstehen, was ich theoretisch falsch mache an Einstellungen, dass sie wie Word seltsame ungewollte Kunststücke vollführen mit meiner Arbeit. :(

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  2. du machst das alles ganz klasse....weiter so

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  3. Die 2D-Landschaft im Norden hat den Vorteil, dass man schon mittwochs sieht, wer Samstag zu Besuch kommt.:-)

    Der Bagel sieht aber klasse aus...der ist doch mit Lachs, gell?!

    Die Hummersuppe mit den Scampis..das wäre auch was für mich.
    Nun freue ich mich auf den nächsten Bericht.

    Ganz liebe Grüße

    Andreas

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  4. Gibts im Norden keine Telefone, dass man das vorhersehen muss? ;)

    War Lachs mit Salat und ner ziemlich scharfen Soße. War aber schon zu viel Lachs. Ich will dann doch lieber ein Bagel mit Lachsbelag essen und nicht Lachs mit Bagelbelag...:)

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