Freitag, 19. April 2013

Was der Bauer nicht kennt, das isst er nicht…

Ein paar Fakten der urisländischen Küche auf dem Land: (in Erfahrung gebracht in der ersten Woche)
  • Pasta und jegliche Art von rohem Gemüse und Obst werden ungern gegessen
  • Kartoffeln werden zermatscht und mit Milch und Zucker zu Pökelfleisch gegessen
  • Brotsuppe (mit Zitrone und Rosinen) muss mit viiiiieeeeeel Sahne gegessen werden
  • überall am Besten Butter mit rein
  • Schaf und Lamm schmeckt am Besten gut durchgekocht, sodass jegliches zartrosa der Vergangenheit angehört
  • Leberwurst wird mit Zucker gegessen (und am Besten noch Butter darunter)
  • Fisch wird nach dem Kochen auf den Tellern zerkleinert und mit Kartoffeln zerkleinert vermischt
  • am Liebsten ist sowieso immer das, was Mama immer schon gekocht hat
  • Pferde kennt der Bauer wohl (Ein Witz am Rande: Was haben isländische und deutsche Supermärkte gemeinsam? In beiden liegt Pferd in der Auslage...)
Sonstige Fakten:
  • Handyempfang kam erst in den letzten paar Jahren hier ins Tal
  • es gibt nur einen Fernsehsender, somit auch kein Streit um die Fernbedienung
  • im Winter kommt manchmal erst um halb 12 die Sonne auf und eine Stunde später wieder unter
  • im Sommer dämmert es um halb 12 (zur Zeit ungefähr um neun/halb zehn)
  • Island ist ziemlich wenige besiedelt außerhalb der Städte
  • Blönduós gilt als Stadt mit ca. 800 Einwohnern (hat Krankenhaus, Polizei, Altersheim, Supermarkt, Post, Tankstelle – alles was man braucht)
  • zwischen hier und Reykjavík gibt’s nur noch Borgarnes, auch eine sogenannte Stadt
  • es nieselt in Island nur, es gibt weder Platzregen noch Gewitter

Seit knapp zwei Wochen bin ich nun auf dem Hof eine gute halbe Stunde südlich von Blönduós (wenn ihrs genau haben wollt: 65.33702,-20.206432 bei GoogleMaps eingeben, dann kommt ihr direkt auf dem Hof raus).

Bisher gefällt es mir ziemlich gut. Noch ist auch alles ziemlich entspannt. (Ab nächster Woche muss mit den ersten Lämmern der Saison gerechnet werden)
Eva und Valdi sind sehr sympathische Leute. Valdi versteht leider kein Deutsch und Englisch auch nur mäßig, Englisch sprechen noch weniger, aber wir können uns verständigen. Nicht immer einfach und es bedarf einiger Wiederholungen seinerseits, wenn er versucht, mir auf Isländisch zu erklären, was ich tun soll, aber es wird. Mit der Zeit lernt man auch gewisse Wörter, wo man zumindest erahnen kann, was er wohl möchte.
Ab und zu kommen dann ein paar deutsche Worte aus seinem Mund wie „genau!“ oder „Mannomann!“, was zur allgemeinen Aufheiterung beiträgt.

Sie haben knapp 60 Pferde, die im Winter und Sommer auf dem Hochland sind. Im Frühjahr kommen sie selbstständig herunter, da es dann auf dem Berg nicht mehr genug Futter für sie gibt. Hier kommen dann auch ihre Fohlen zur Welt. Danach verschwinden sie wieder im Hochland. Im Herbst werden sie theoretisch beim großen Schafabtrieb wieder abgetrieben, allerdings haben Eva und Valdi so viel Land auch im Hochland, sodass sie zumindest ihre Pferde immer auf ihrer Weide lassen.
Während der Winterzeit und auch jetzt im Frühjahr/Sommer werden verschiedene Pferde auf eine Weide direkt am Hof gestellt, mit denen dann trainiert wird. Von unerfahrenen Pferden, die an Halfter gewöhnt werden müssen, bis zu Pferden, die schon jahrelang beim Schafabtrieb dabei sind und auf Kondition trainiert werden, ist hier alles dabei.

Schafe haben die beiden um die 600. Die sind momentan alle im Stall untergebracht bis alle Lämmer geboren sind. Sie wurden in verschiedene Abteile untergebracht, die hier „Häuser“ (Hús) heißen. Sortiert sind sie nach Böcken, Schafe, die ein, zwei oder drei Lämmer in sich tragen und die Schafe, die im Herbst nicht aufgenommen haben oder deren Lamm leider schon abgegangen ist.
Leider hatten wir schon einige Totgeburten seit letzter Woche. Es kommt vor, dass die Lämmer missgebildet sind oder nicht überlebensfähig und die dann von der Natur schon ausgesiebt werden. Das ist dann kein erfreuliches Ereignis, allerdings ist das wohl jedes Jahr so, dass von den 600 Mutterschafen 10-12 ihre Lämmer verlieren. Um eine Euterentzündung zu verhindern, mussten wir heute ein Schaf abmelken, die ihre Lämmer verloren hat. 

Vom Tagesablauf her sieht es so aus, dass morgens und abends die Schafe gefüttert werden müssen. Dazwischen werden dann die Pferde trainiert, in Form eines Ausritts, dem Logieren oder auch einfach nur anbinden und putzen, sodass der Furcht vor den Menschen entgegengewirkt wird.
Jeden zweiten oder dritten Tag müssen auch die restlichen Pferde der Herde zugefüttert werden. Das bedeutet, dass jemand (inzwischen auch ich) Heuballen vorne auf die Traktorgabel nimmt und dann zu der Herde auf die Weide fährt. Hier muss dann die Folie des Ballens entfernt und der Ballen so weit wie möglich den Hang hinabgerollt werden , sodass alle Pferde, auch die mit den niedrigeren Rängen an das Futter kommen. Ab und an hat man auch ein bisschen freie Zeit, sodass man sich einfach zur Herde gesellen kann. Bald wird man da auch schon von allen Seiten umringt und beschnuppert und aufgefordert, doch endlich die Leckereien aus den Taschen zu räumen. Dabei kann es dann auch mal vorkommen, dass ein Jährling oder auch eine der älteren anfängt zu zwicken oder in die Jacke zu beißen, was dann nicht ganz so toll ist. Alles in allem könnte man das aber auch schon als Training sehen, da das spätere Einreiten viel einfacher wird, wenn die Fohlen jetzt schon lernen, wie toll doch Menschen sind und dass ihnen überhaupt nichts passiert, wenn sie an Ohren oder auch Beinen angefasst werden. 

Ab nächster Woche wird es dann spannend, wenn dann die ersten Lämmer kommen. Anscheinend wird es wohl dann ziemlich hektisch. Ich bin auch schon sehr gespannt, wenn dann die ersten Fohlen kommen und wie dann der Sommer wird, wenn man dann die Felder bestellen muss und was sonst noch so ansteht. 

Im Folgenden ein paar Eindrücke von dem Hof, der Umgebung und Blönduós in weiß und braun.











Goggi im Schnee vor dem Küchenfenster
Goggi
Týri mit meinem Lieblingsjährling

Julia, die andere Aushilfe, mit dem Streichelbock






Velkominn til Blönduós (NOT)


Fohlenschnitzel im Supermarkt von Blönduós

Strand von Blönduós


2 Kommentare:

  1. cool...die google maps angabe hab ich gleich getestet! funktioniert super! Einsamer kann man fast nicht mehr wohnen. Viel Freude weiterhin bei deinem Aufenthalt!
    Liebe Grüße, Gaby

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  2. Fall übrigens jemand Wünsche hat, was er oder sie gerne wissen würde, gerne sagen. :)

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