Freitag, 26. April 2013

Hui, flutscht das!

Waren wir gestern mittag noch bei 22 Lämmern hat sich die Zahl nun praktisch verdreifacht. Heute Abend sind wir schon bei rund 60 Lämmern. Jetzt könnte man wohl sagen, jetzt gehts richtig los. Schlag auf Schlag kommen inzwischen die Lämmchen. Mal mit etwas Pause und dann wieder mehrere gleichzeitig. Allerdings immer noch ziemlich entspannt zu dem, was mir Eva erzählt hat. 

Das es jetzt richtig losgeht langsam haben wohl auch Valdi und Eva gemerkt. Aus diesem Grund wird ab heute Nacht die Nachtwache beginnen. Zuerst Eva bis um zwei und dann hat sich Julia freiwillig bereit erklärt die nächste Schicht zu übernehmen. (Als gelernte Hotelkauffrau bzw. Krankenschwester wohl schon geübt im Schichten. :)) 
Ich darf dann morgen früh um acht mit Valdi dann wieder ran, damit dann Julia schlafen gehen kann. Nach ein paar Tagen bin ich dann in der Nachtschicht dran und Julia morgens. Wie das genau funktionieren soll, da  bin ich mir noch nicht ganz sicher. 
Allerdings bin ich nach den letzten Stunden dann doch zuversichtlicher geworden. Ich habe zwei süßen schwarzen Lämmern - ein Böckchen und ein Schäfchen - auf die Welt geholfen (etwas an den Beinen gezogen, damit sie besser rauskommen), mehreren noch vorsorglich Tabletten gegen Durchfall gegeben, den Nabel mit Jod desinfiziert und letztendlich einem süßen Lämmchen noch das Leben gerettet. 

Wer nun etwas verwirrt ist, was das mit Tabletten, Jod und Leben retten auf sich hat nun einmal die Geburt eines Lämmchens Schritt für Schritt. 

(WARNUNG: Die folgenden Bilder könnten verstörend wirken! Nur auf eigene Gefahr! :))

Schritt 1: Entdeckung
Das gebärende Mutterschaf muss entdeckt werden und wenn nötig separiert werden. 
Man erkennt, dass die Geburt kurz bevor steht, wenn das Schaf sich z.B. öfters hinlegt und wieder aufsteht, nicht mehr wiederkäut, sich eine Ecke für sich alleine sucht oder auch einfach indem man einen Schleimfaden oder auch schon eine Blase hinten heraushängen sieht. 
Jedes Lamm wird begleitet von einer weißen Blase und einer roten. 

hier kommt auch noch ein zweites Lamm
Schritt 2: Abwarten
Das Mutterschaf sucht sich im separierten Teil einen geeigneten Platz aus, um sich hinzulegen. Bei dem Geburtsvorgang wird sie öfters wieder aufstehen, sich um sich selber drehen, am Boden scharren und hauptsächlich pressen. 
Wenn die Schafe Glück haben (was bisher meistens der Fall war), dann liegt das Lämmchen richtig. Das bedeutet der Kopf liegt auf den Vorderfüßen in Richtung Ausgang. Meist sieht man dann auch das Schnäuzchen und die Vorderhufe zuerst hervorblitzen.

die Beinchen und das Schnäuzchen kann man schon erkennen
Wenn man bemerkt, dass ein Schaf schon längere Zeit presst und einfach nichts vorwärts geht oder sie besonders schreit, dann ist es gut, mal nachzufühlen, ob das Lämmchen richtig liegt. Hierfür führt man zwei Finger in den Geburtskanal ein. Spürt man Köpfchen und Beine ist alles richtig und sie braucht vielleicht einfach nur etwas mehr Zeit. Manchmal kann es sich auch etwas verzögern, wenn zum Beispiel kleine Böcke auf die Welt kommen von Schafen mit Hörnern. Diese kleine Teufelchen kommen nämlich schon mit kleinen Hörnern auf die Welt. Wie gut, dass ich kein Schaf bin! Das muss ziemlich weh tun! :)
Spürt man jedoch nur das Köpfchen oder zufällig die Hinterfüße, dann muss geholfen werden. 
Da die Schultern zu breit sind, wenn die Vorderfüße nach innen liegen, würde das Lamm im Bauch sterben. Dementsprechend muss man schön tief reinfassen und versuchen mindestens ein Beinchen nach vorne zu bekommen. An dem wird dann gezogen, sodass es in der richtigen Lage herausrutschen kann. Nun noch das Köpfchen mit herausziehen und dann ist es schon fast da. Ein letztes Mal pressen und gleichzeitig das Lämmchen herausziehen und schon ist es da. Ein weiteres Lämmchen (vorerst) gerettet! :)
Wenn man die Hinterfüße in der Hand hat, muss es schnell gehen. Da das Lämmchen anfängt zu atmen, sobald die Nabelschnur durchtrennt wird, muss es in diesem Fall ziemlich flott rauskommen, da die Nabelschnur manchmal ziemlich leicht reißt. Also die Füße festgehalten und ziehen! 
Die Lämmchen kommen immer mit den Resten der Fruchtblase heraus, sind also oftmals sehr glitschig und auch schwer zu greifen. Sobald sie aber das Licht der Welt entdeckt haben, fangen die Mütter in der Regel an, die Blase bzw. das Lamm abzuschlecken. 

ein schwarzes Mädchen!
Schritt 3: Kurz nach der Geburt
Nachdem das Lämmchen erfolgreich herausgeflutscht ist, muss kontrolliert werden, ob die Nase frei ist und es notfalls etwas animieren, wenn es sich nicht gleich bewegt. 
Die ersten Bewegungen sind normal ein kleines Husten oder mehrmaliges Kopf schütteln. 
Ist das geschafft, kann man die beiden getrost erstmal sich selbst überlassen, damit die Mutter sich ganz der Bindung zu ihrem Lämmchen widmen kann. 
Weiß man, dass ein zweites Lämmchen kommt, sollte regelmäßig kontrolliert werden, ob alles in Ordnung ist.

hier will ein schwarzes Böckchen heraus

Schritt 4: Nachsorge
Das Lämmchen sollte innerhalb der nächsten Minuten erste wackelige Stehversuche machen. Normal versuchen sie ziemlich schnell aufzustehen. Das hängt wohl noch mit dem Fluchtreflex zusammen, als die Lämmer auf der Weide geboren wurden.
Außerdem muss beobachtet werden, ob das Lämmchen die Zitze findet und die erste wichtige Milch trinkt.
Da bei 600 Schafen die Hygiene etwas vernachlässigt wird und der Platz nicht ständig desinfiziert werden kann, gibt man etwas Jod auf den Nabel und eine Tablette gegen Durchfall.

die Tablette ist schon geschluckt, jetzt noch Jod auf den Nabel
Da die Schafe für die Milchproduktion sehr viel Wasser und Heu benötigen, muss immer darauf geachtet werden, das genügend hiervon vorhanden ist. 

Wenn das alles getan ist, kann man den süßen Kleinen beim Wachsen zusehen und sich an den ersten Sprüngen erfreuen. Sooooo süüüüüüüß! :)


Ich habe heute also mehreren Geburten zugeschaut, bei den beiden süßen schwarzen Lämmchen Geburtshilfe geleistet und ein drittes noch gerettet. Bei diesem waren nämlich die Vorderbeinchen nach hinten gelegt, sodass nur der Kopf zu spüren war. Zudem war es ein ziemlich großes Lämmchen. Aber ich habs geschafft! Es ist putzmunter nach einer Weile herausgeflutscht und hat noch zur Freude des Tages in die Fruchtblase gekackt. Daher die etwas ockergelbe Farbe. :D


Die beiden schwarzen Lämmchen, ein Böckchen und ein Mädchen, waren auch putzmunter und total knuffig.

vorne das zweitgeborene Böckchen (auch schon mit Hörnchen) und hinten rechts das Mädchen

Hier noch ein paar der restlichen Lämmer der letzten Tage:

das hat unter anderem weiße Beinchen und auch ein weißes Schwänzchen, das beim Trinken immer wie wild wackelt
nochmal ein geschecktes mit Augenklappen, schwarzen Ohren und schwarzem Schnäuzchen


entweder sie schreien, trinken, hüpfen herum oder schlafen, hauptsächlich wohl schlafen...:)
Na, welches Geschlecht hat wohl dieses Teufelchen?

Donnerstag, 25. April 2013

Das isländische Wetter in allen Facetten!

Ich bin nunmehr seit bald 3 Wochen auf dem Hof im Vatnsdalur und hab von Sonnenschein bis Schneesturm schon fast alles mitgemacht. 
Wärs nicht so blöd, könnte man es faszinieren nennen, dass das Wetter immer mit den Wolken wechselt, die zur Zeit über den Himmel ziehen. 
Da kann es dann auch mal passieren, dass auf der einen Talseite ein Schneegestöber vorherrscht und auf der anderen Seite der blaue Himmel leuchtet und die Sonne scheint. Durch den starken (ziemlich eisigen) Wind werden die Wolken ziemlich flott durchs Tal getrieben, sodass die Aussage, dass das Wetter in Island alle fünf Minuten wechselt, gar nicht so weit hergegriffen scheint.

Nachdem in den letzten drei Tagen 24 Lämmer auf die Welt kamen (heute sogar eins mit meiner professionellen Hilfe) und die Pferde etwas vernachlässigt wurden, haben wir uns heute noch für einen letzten Ritt entschieden, bevor die Pferde für die nächsten Wochen wieder zurück zur Herde dürfen. (Während der Hauptzeit der Lämmer ist kaum Zeit für die Pferde.)



Losgeritten bei etwas Wind und weißen Wolken auf der anderen Talseite mit leichtem Schneegestöber freuten wir uns, dass zumindest der Wind nur von hinten kam. Leider nicht sehr lang, da wir über die Felder ritten und wir ziemlich schnell wieder in die andere Richtung kamen. Die erste Runde haben wir auch relativ gut überstanden. Ein paar Schneeflöckchen im Gesicht, aber sonst wars ganz in Ordnung. Auf dem Ende hat dann sogar noch die Sonne angefangen wärmend zu scheinen. 

Julia auf Skvísa

links blauer Himmel - rechts Schneegestöber

Mein Svarti-Tvistur mit Sturmfrisur
Bei der zweiten Runde mit zwei neuen Pferden hatten wir zuerst auch Rückenwind. Die Pferde waren flott unterwegs und wir entschieden uns, die größere Runde zu reiten. Die halbe Runde ging auch ganz gut. Es war sogar blauer Himmel streckenweise zu sehen und es wirbelten nur ein paar verirrte Schneeflocken umher. 


Auf dem Rückweg wurde das Wetter dann leider etwas schlechter. Der Wind nahm zu und die Schneeflocken flogen inzwischen fast waagrecht, leider nicht als Rückenwind, sondern uns entgegen. Die Flocken fühlten sich immer mehr wie Nadeln an im Gesicht und wir konnten kaum noch die Augen offen halten. Um schnell nach Hause zu kommen, trieben wir die Pferde an. Dabei noch etwas zu sehen, erwies sich allerdings als ziemlich schwierig. Der eisige Wind trieb uns die Schneeflocken in die Augen, sodass wir fast blind irgendwie versuchten, so schnell wie möglich wieder zurück zum Hof zu kommen. Schnell in den Stall, abgesattelt und ab in die warme Stube. 

Da mussten wir mitten durch!
Die ersten Anzeichen des Schneegestöbers sammeln sich auf dem Pferdehals
Aber alles nicht so schlimm, wenn man hört, dass die Bauern weiter nördlicher (da wo Valdi herkommt) mit dem Bagger nach ihren Heuballen suchen müssen unter gut 2 m Schnee...:)

Die letzten Bilder der Pferde, bevor sie wieder zeitweise in die Freiheit entlassen werden!

Mósa - Snafari
Gletting - Hrói - Hnáta - Glófaxi
Spurning
Skvísa
Svarti-Tvistur

Dienstag, 23. April 2013

Die Lammsaison hat begonnen!

Seit gestern gehen wir mehrmals täglich durch die Schafabteile, um zu kontrollieren, ob sich eine Geburt ankündigt und ob alles in Ordnung ist. 

Heute Morgen dann die Überraschung, die ersten zwei Lämmchen wurden gesichtet. Nach den Totgeburten der letzten Wochen, war das mal ein super Erlebnis! :) 

Total süße kleine Lämmchen auf wackligen Beinen mit ganz weichen kleinen Löckchen. Da kommt dann ganz die Frau in mir hervor und es kommen nur noch Kommentare, wie: "Ohhhhh, süüüüüüß!" oder "Wie putzig!" und ich kann mich gar nicht satt sehen. 





Die drei wurden dann nach einer Weile in einen separaten Part vom Stall verlegt. Da es knapp 600 Mutterschafe sind und davon mehr als die Hälfte zwei Lämmer bekommen, brauchen die viel Platz, sodass noch extra was vorbereitet wurde, für die frischgebackene Mamas.
Nach der Geburt bekommen die Lämmchen noch etwas Jod auf den Nabel und eine Tablette gegen Durchfall und schon können sie die große, weite Welt erkunden (naja, zumindest die zwei Quadratmeter, die sie haben, aber die reichen wohl erst für ihre wackeligen Beinchen). :)

Nach der Aufregung am Morgen mussten natürlich auch noch die Pferde bewegt werden. Heute gings auch etwas weiter, als bisher, was man den Pferden auch etwas anmerkte. An der Kondition müssen wir noch etwas arbeiten... Natürlich, wie schon die letzten Tage auch, hatte das Wetter nicht ganz mitgespielt. Kaum hatten wir den Hof verlassen, als uns eine Wolke begleitete, die schönen Schneeregen über uns ausschüttete. War etwas unangenehm. Aber wie es so schön heißt, auf dem Rücken der Pferde liegt das Glück der Erde. Da muss man wohl dann durch. :)



Als wir dann wieder auf dem Hof ankamen und wieder in den Stall zum kontrollieren kamen dann die Überraschung, noch ein Lämmchen! Während ich zum Haus rannte, um Eva und Valdi Bescheid zu geben, passte Julia auf das Kleine und seine Mama auf. Schafe sind wohl ein bisschen böse und es könnte passieren, dass ein anderes Mutterschaf das Kleine klaut. Als ich wieder im Stall war, war das zweite Lämmchen auch schon geflutscht. Das hab ich leider verpasst. (Ich denke, es wird noch einige Gelegenheiten geben, das zu beobachten. :))



Der Geburtenmarathon kann losgehen! :)

P.s. Es wird langsam grün! Immer mehr! :)

Montag, 22. April 2013

Erster Versuch

Nach nunmehr schon knapp über zwei Wochen auf dem Hof und knapp drei Wochen ohne deutsches Essen, geschweige denn dem Freitagshefezopfs meines Vaters wurde es nun an der Zeit, die andauernden Gelüste wenigstens teilweise zu befriedigen.

Also rein in die Schürze, Rezept für einen Südtiroler Hefezopf rausgeholt und los ging's. 

Zuerst natürlich einen schönen Vorteig mit lauwarmen Zutaten zusammenrühren, der auch ziemlich schnell, ziemlich aufging. 



Dann kneten und kneten und kneten und kneten...lassen (natürlich :))...

Nach mehrmaligem Gehenlassen konnte ich dann meine Flechtkünste unter Beweis stellen (noch verbesserungswürdig bei einem Hefeteig). Kurz noch mit Eigelb bestreichen und ab in den vorgeheizten Ofen.


Und tataaaaaaa.......! Wunderbar!





Einen kleinen Tod musste ich jedoch sterben, als Valdi nach der Wurst griff und kurz davor war, sich auf eine Scheibe leckeren Hefezopf (mit Butter natürlich) eine Scheibe Wurst zu legen. Puuuuhhh! Unglück abgewehrt. 
Als ich Eva davon erzählte, streute sie mir noch Salz in die Wunde, als sie nur meinte, ja das kennt sie auch, ihre Mutter würde den Zopf immer mit Leberwurst essen!!!! Aaaaaahhhhhhh! 
Das war zu viel des Guten. Nachdem der Zopf dann nach einer halben Stunde der Vergangenheit angehörte (es war wirklich nur ein klitzekleines Zöpfchen eigentlich...) ging ich ins Bett um meine Wunden zu lecken und meinen Schock zu verdauen...(Es war auch schon halb elf dann...) :)

Freitag, 19. April 2013

Was der Bauer nicht kennt, das isst er nicht…

Ein paar Fakten der urisländischen Küche auf dem Land: (in Erfahrung gebracht in der ersten Woche)
  • Pasta und jegliche Art von rohem Gemüse und Obst werden ungern gegessen
  • Kartoffeln werden zermatscht und mit Milch und Zucker zu Pökelfleisch gegessen
  • Brotsuppe (mit Zitrone und Rosinen) muss mit viiiiieeeeeel Sahne gegessen werden
  • überall am Besten Butter mit rein
  • Schaf und Lamm schmeckt am Besten gut durchgekocht, sodass jegliches zartrosa der Vergangenheit angehört
  • Leberwurst wird mit Zucker gegessen (und am Besten noch Butter darunter)
  • Fisch wird nach dem Kochen auf den Tellern zerkleinert und mit Kartoffeln zerkleinert vermischt
  • am Liebsten ist sowieso immer das, was Mama immer schon gekocht hat
  • Pferde kennt der Bauer wohl (Ein Witz am Rande: Was haben isländische und deutsche Supermärkte gemeinsam? In beiden liegt Pferd in der Auslage...)
Sonstige Fakten:
  • Handyempfang kam erst in den letzten paar Jahren hier ins Tal
  • es gibt nur einen Fernsehsender, somit auch kein Streit um die Fernbedienung
  • im Winter kommt manchmal erst um halb 12 die Sonne auf und eine Stunde später wieder unter
  • im Sommer dämmert es um halb 12 (zur Zeit ungefähr um neun/halb zehn)
  • Island ist ziemlich wenige besiedelt außerhalb der Städte
  • Blönduós gilt als Stadt mit ca. 800 Einwohnern (hat Krankenhaus, Polizei, Altersheim, Supermarkt, Post, Tankstelle – alles was man braucht)
  • zwischen hier und Reykjavík gibt’s nur noch Borgarnes, auch eine sogenannte Stadt
  • es nieselt in Island nur, es gibt weder Platzregen noch Gewitter

Seit knapp zwei Wochen bin ich nun auf dem Hof eine gute halbe Stunde südlich von Blönduós (wenn ihrs genau haben wollt: 65.33702,-20.206432 bei GoogleMaps eingeben, dann kommt ihr direkt auf dem Hof raus).

Bisher gefällt es mir ziemlich gut. Noch ist auch alles ziemlich entspannt. (Ab nächster Woche muss mit den ersten Lämmern der Saison gerechnet werden)
Eva und Valdi sind sehr sympathische Leute. Valdi versteht leider kein Deutsch und Englisch auch nur mäßig, Englisch sprechen noch weniger, aber wir können uns verständigen. Nicht immer einfach und es bedarf einiger Wiederholungen seinerseits, wenn er versucht, mir auf Isländisch zu erklären, was ich tun soll, aber es wird. Mit der Zeit lernt man auch gewisse Wörter, wo man zumindest erahnen kann, was er wohl möchte.
Ab und zu kommen dann ein paar deutsche Worte aus seinem Mund wie „genau!“ oder „Mannomann!“, was zur allgemeinen Aufheiterung beiträgt.

Sie haben knapp 60 Pferde, die im Winter und Sommer auf dem Hochland sind. Im Frühjahr kommen sie selbstständig herunter, da es dann auf dem Berg nicht mehr genug Futter für sie gibt. Hier kommen dann auch ihre Fohlen zur Welt. Danach verschwinden sie wieder im Hochland. Im Herbst werden sie theoretisch beim großen Schafabtrieb wieder abgetrieben, allerdings haben Eva und Valdi so viel Land auch im Hochland, sodass sie zumindest ihre Pferde immer auf ihrer Weide lassen.
Während der Winterzeit und auch jetzt im Frühjahr/Sommer werden verschiedene Pferde auf eine Weide direkt am Hof gestellt, mit denen dann trainiert wird. Von unerfahrenen Pferden, die an Halfter gewöhnt werden müssen, bis zu Pferden, die schon jahrelang beim Schafabtrieb dabei sind und auf Kondition trainiert werden, ist hier alles dabei.

Schafe haben die beiden um die 600. Die sind momentan alle im Stall untergebracht bis alle Lämmer geboren sind. Sie wurden in verschiedene Abteile untergebracht, die hier „Häuser“ (Hús) heißen. Sortiert sind sie nach Böcken, Schafe, die ein, zwei oder drei Lämmer in sich tragen und die Schafe, die im Herbst nicht aufgenommen haben oder deren Lamm leider schon abgegangen ist.
Leider hatten wir schon einige Totgeburten seit letzter Woche. Es kommt vor, dass die Lämmer missgebildet sind oder nicht überlebensfähig und die dann von der Natur schon ausgesiebt werden. Das ist dann kein erfreuliches Ereignis, allerdings ist das wohl jedes Jahr so, dass von den 600 Mutterschafen 10-12 ihre Lämmer verlieren. Um eine Euterentzündung zu verhindern, mussten wir heute ein Schaf abmelken, die ihre Lämmer verloren hat. 

Vom Tagesablauf her sieht es so aus, dass morgens und abends die Schafe gefüttert werden müssen. Dazwischen werden dann die Pferde trainiert, in Form eines Ausritts, dem Logieren oder auch einfach nur anbinden und putzen, sodass der Furcht vor den Menschen entgegengewirkt wird.
Jeden zweiten oder dritten Tag müssen auch die restlichen Pferde der Herde zugefüttert werden. Das bedeutet, dass jemand (inzwischen auch ich) Heuballen vorne auf die Traktorgabel nimmt und dann zu der Herde auf die Weide fährt. Hier muss dann die Folie des Ballens entfernt und der Ballen so weit wie möglich den Hang hinabgerollt werden , sodass alle Pferde, auch die mit den niedrigeren Rängen an das Futter kommen. Ab und an hat man auch ein bisschen freie Zeit, sodass man sich einfach zur Herde gesellen kann. Bald wird man da auch schon von allen Seiten umringt und beschnuppert und aufgefordert, doch endlich die Leckereien aus den Taschen zu räumen. Dabei kann es dann auch mal vorkommen, dass ein Jährling oder auch eine der älteren anfängt zu zwicken oder in die Jacke zu beißen, was dann nicht ganz so toll ist. Alles in allem könnte man das aber auch schon als Training sehen, da das spätere Einreiten viel einfacher wird, wenn die Fohlen jetzt schon lernen, wie toll doch Menschen sind und dass ihnen überhaupt nichts passiert, wenn sie an Ohren oder auch Beinen angefasst werden. 

Ab nächster Woche wird es dann spannend, wenn dann die ersten Lämmer kommen. Anscheinend wird es wohl dann ziemlich hektisch. Ich bin auch schon sehr gespannt, wenn dann die ersten Fohlen kommen und wie dann der Sommer wird, wenn man dann die Felder bestellen muss und was sonst noch so ansteht. 

Im Folgenden ein paar Eindrücke von dem Hof, der Umgebung und Blönduós in weiß und braun.











Goggi im Schnee vor dem Küchenfenster
Goggi
Týri mit meinem Lieblingsjährling

Julia, die andere Aushilfe, mit dem Streichelbock






Velkominn til Blönduós (NOT)


Fohlenschnitzel im Supermarkt von Blönduós

Strand von Blönduós