Das es jetzt richtig losgeht langsam haben wohl auch Valdi und Eva gemerkt. Aus diesem Grund wird ab heute Nacht die Nachtwache beginnen. Zuerst Eva bis um zwei und dann hat sich Julia freiwillig bereit erklärt die nächste Schicht zu übernehmen. (Als gelernte Hotelkauffrau bzw. Krankenschwester wohl schon geübt im Schichten. :))
Ich darf dann morgen früh um acht mit Valdi dann wieder ran, damit dann Julia schlafen gehen kann. Nach ein paar Tagen bin ich dann in der Nachtschicht dran und Julia morgens. Wie das genau funktionieren soll, da bin ich mir noch nicht ganz sicher.
Allerdings bin ich nach den letzten Stunden dann doch zuversichtlicher geworden. Ich habe zwei süßen schwarzen Lämmern - ein Böckchen und ein Schäfchen - auf die Welt geholfen (etwas an den Beinen gezogen, damit sie besser rauskommen), mehreren noch vorsorglich Tabletten gegen Durchfall gegeben, den Nabel mit Jod desinfiziert und letztendlich einem süßen Lämmchen noch das Leben gerettet.
Wer nun etwas verwirrt ist, was das mit Tabletten, Jod und Leben retten auf sich hat nun einmal die Geburt eines Lämmchens Schritt für Schritt.
(WARNUNG: Die folgenden Bilder könnten verstörend wirken! Nur auf eigene Gefahr! :))
Schritt 1: Entdeckung
Das gebärende Mutterschaf muss entdeckt werden und wenn nötig separiert werden.
Man erkennt, dass die Geburt kurz bevor steht, wenn das Schaf sich z.B. öfters hinlegt und wieder aufsteht, nicht mehr wiederkäut, sich eine Ecke für sich alleine sucht oder auch einfach indem man einen Schleimfaden oder auch schon eine Blase hinten heraushängen sieht.
Jedes Lamm wird begleitet von einer weißen Blase und einer roten.
| hier kommt auch noch ein zweites Lamm |
Das Mutterschaf sucht sich im separierten Teil einen geeigneten Platz aus, um sich hinzulegen. Bei dem Geburtsvorgang wird sie öfters wieder aufstehen, sich um sich selber drehen, am Boden scharren und hauptsächlich pressen.
Wenn die Schafe Glück haben (was bisher meistens der Fall war), dann liegt das Lämmchen richtig. Das bedeutet der Kopf liegt auf den Vorderfüßen in Richtung Ausgang. Meist sieht man dann auch das Schnäuzchen und die Vorderhufe zuerst hervorblitzen.
| die Beinchen und das Schnäuzchen kann man schon erkennen |
Spürt man jedoch nur das Köpfchen oder zufällig die Hinterfüße, dann muss geholfen werden.
Da die Schultern zu breit sind, wenn die Vorderfüße nach innen liegen, würde das Lamm im Bauch sterben. Dementsprechend muss man schön tief reinfassen und versuchen mindestens ein Beinchen nach vorne zu bekommen. An dem wird dann gezogen, sodass es in der richtigen Lage herausrutschen kann. Nun noch das Köpfchen mit herausziehen und dann ist es schon fast da. Ein letztes Mal pressen und gleichzeitig das Lämmchen herausziehen und schon ist es da. Ein weiteres Lämmchen (vorerst) gerettet! :)
Wenn man die Hinterfüße in der Hand hat, muss es schnell gehen. Da das Lämmchen anfängt zu atmen, sobald die Nabelschnur durchtrennt wird, muss es in diesem Fall ziemlich flott rauskommen, da die Nabelschnur manchmal ziemlich leicht reißt. Also die Füße festgehalten und ziehen!
Die Lämmchen kommen immer mit den Resten der Fruchtblase heraus, sind also oftmals sehr glitschig und auch schwer zu greifen. Sobald sie aber das Licht der Welt entdeckt haben, fangen die Mütter in der Regel an, die Blase bzw. das Lamm abzuschlecken.
| ein schwarzes Mädchen! |
Nachdem das Lämmchen erfolgreich herausgeflutscht ist, muss kontrolliert werden, ob die Nase frei ist und es notfalls etwas animieren, wenn es sich nicht gleich bewegt.
Die ersten Bewegungen sind normal ein kleines Husten oder mehrmaliges Kopf schütteln.
Ist das geschafft, kann man die beiden getrost erstmal sich selbst überlassen, damit die Mutter sich ganz der Bindung zu ihrem Lämmchen widmen kann.
Weiß man, dass ein zweites Lämmchen kommt, sollte regelmäßig kontrolliert werden, ob alles in Ordnung ist.
| hier will ein schwarzes Böckchen heraus |
Schritt 4: Nachsorge
Das Lämmchen sollte innerhalb der nächsten Minuten erste wackelige Stehversuche machen. Normal versuchen sie ziemlich schnell aufzustehen. Das hängt wohl noch mit dem Fluchtreflex zusammen, als die Lämmer auf der Weide geboren wurden.
Außerdem muss beobachtet werden, ob das Lämmchen die Zitze findet und die erste wichtige Milch trinkt.
Da bei 600 Schafen die Hygiene etwas vernachlässigt wird und der Platz nicht ständig desinfiziert werden kann, gibt man etwas Jod auf den Nabel und eine Tablette gegen Durchfall.
| die Tablette ist schon geschluckt, jetzt noch Jod auf den Nabel |
Wenn das alles getan ist, kann man den süßen Kleinen beim Wachsen zusehen und sich an den ersten Sprüngen erfreuen. Sooooo süüüüüüüß! :)
Ich habe heute also mehreren Geburten zugeschaut, bei den beiden süßen schwarzen Lämmchen Geburtshilfe geleistet und ein drittes noch gerettet. Bei diesem waren nämlich die Vorderbeinchen nach hinten gelegt, sodass nur der Kopf zu spüren war. Zudem war es ein ziemlich großes Lämmchen. Aber ich habs geschafft! Es ist putzmunter nach einer Weile herausgeflutscht und hat noch zur Freude des Tages in die Fruchtblase gekackt. Daher die etwas ockergelbe Farbe. :D
Die beiden schwarzen Lämmchen, ein Böckchen und ein Mädchen, waren auch putzmunter und total knuffig.
| vorne das zweitgeborene Böckchen (auch schon mit Hörnchen) und hinten rechts das Mädchen |
Hier noch ein paar der restlichen Lämmer der letzten Tage:
| das hat unter anderem weiße Beinchen und auch ein weißes Schwänzchen, das beim Trinken immer wie wild wackelt |
| nochmal ein geschecktes mit Augenklappen, schwarzen Ohren und schwarzem Schnäuzchen |
| entweder sie schreien, trinken, hüpfen herum oder schlafen, hauptsächlich wohl schlafen...:) |
| Na, welches Geschlecht hat wohl dieses Teufelchen? |