Sehr appetitlich! :)
Ich weiß nicht, wie viele Eier die Isländer verdrücken so im Durchschnitt, aber mir würde der Geruch eventuell vorhandene Gelüste sehr schnell wieder austreiben. (Glücklicherweise duftet nur das Wasser danach und nicht wir nach der Dusche! :))
Nun aber zu Reykjavik. Nachdem ich ja am Abend vorher schon ein
bisschen „Stadt“-luft geschnuppert hatte, wollte ich mir alles ein bisschen
genauer anschauen. Erster Stopp also früh morgens (so um neun, nach einem
reichhaltigen Frühstück aus einer Sorte Müsli mit Joghurt und etwas getoastetes
Brot mit Marmelade) gings dann zur Hallgrímskirkja.
Diese Kirche steht auf einer Anhöhe neben einer technischen Universität. In dieser Kirche kann man zu den Glocken in den Turm hochsteigen oder zumindest in einen Bereich direkt darunter (was ich schmerzlich bemerken musste, da ich zur vollen Stunde oben war). Von dort aus war ganz Reykjavík zu sehen. Die ganzen bunten Dächer, die Berge und das Meer drum herum. Sehr schön und noch dazu eine super Sicht durch das schöne Wetter! (Sonne, blauer Himmel ist hier an der Tagesordnung! :))
Auch die Kirche selbst war
toll. Sie ist eine evangelisch-lutherische Kirche, was man irgendwie auch am
Interieur bemerkt. Zum einen ist es innen sehr warm gewesen (liegt’s an den
Fenstern und der Sonne oder daran, dass Evangelisten im Gegensatz zu Katholiken
ihre Kirchen heizen?:)). Ebenfalls waren die Sitzbänke sehr weich gepolstert.
Durch die hohen Fenster strahlte die Sonne und betonte die minimalistische,
aber doch sehr schöne Innenausstattung. (An dieser Stelle sei gesagt, wären
mehr Kirchen so, denke ich, dann würden schon allein deswegen wieder mehr
Menschen in die Kirche gehen.)
Es gab eine große Orgel mit über 5000 Pfeifen und ich kann mir kaum vorstellen, wie ein Konzert oder schon allein ein Gottesdienst in so einer Kirche wohl wirken mag.
Später an diesem Tag war ich
auch noch in einer kleineren Kirche, der Dómkirkja, die wiederum vom Stil her
ziemlich anders war als die Hallgrímskirkja. Es ist auch eine
evangelisch-lutherische Kirche, aber dieses Mal mit etwas mehr Gold ausgestattet,
ein paar Verzierungen hier, ein goldener Kronleuchter da. Allerdings war dort
ein Sarg aufgebahrt, weshalb ich dieses Mal auf Bilder verzichtete. Aber auch
hier wieder weiche Bänke, warm, schöne Einrichtung. Sehr einladend.
Im Laufe des Tages bin ich dann
am Stadtsee beim Rathaus gesessen, bin die Haupteinkaufsstrasse Laugavegur auf-
und abgelaufen und habe die Sonne genossen.
Am Nachmittag sah ich mir dann im Volcano House am Hafen eine Dokumentation über die Vulkaneruptionen von Eyjafjallajökull 2010 (6 Wochen), der den ganzen Flugverkehr in Europa lahmlegte aufgrund gewisser Partikel in der ausgestoßenen Asche, die wie Sandpapier für Rotorblätter wirkte und der Eruption des Eldfell auf den Westmännerinseln (Vestmannaeyjar, 1973, Januar-Juli) an. Dadurch erklärte sich mir manches, was ich bisher in der Stadt und seiner Umgebung gesehen hatte. Zumindest fanden verschiedene Dinge eine mir logisch erscheinende Erklärung.
Am Nachmittag sah ich mir dann im Volcano House am Hafen eine Dokumentation über die Vulkaneruptionen von Eyjafjallajökull 2010 (6 Wochen), der den ganzen Flugverkehr in Europa lahmlegte aufgrund gewisser Partikel in der ausgestoßenen Asche, die wie Sandpapier für Rotorblätter wirkte und der Eruption des Eldfell auf den Westmännerinseln (Vestmannaeyjar, 1973, Januar-Juli) an. Dadurch erklärte sich mir manches, was ich bisher in der Stadt und seiner Umgebung gesehen hatte. Zumindest fanden verschiedene Dinge eine mir logisch erscheinende Erklärung.
Wie könnte ich meine Eindrücke
am besten beschreiben?
Reykjavík erscheint mir sehr
widersprüchlich. Auf der einen Seite all die bunten Dächer, Glasbauten neben
alten Häusern, die angemalten Hauswände, die bunte Kleidung in den Läden, die originellen
Ideen für Einrichtungen, etc.
Auf der anderen Seite sehr
eintönig, viele verschiedene Brauntöne, wenn man genau hinschaut auch ziemlich
heruntergekommen, vor allem wenn man Richtung Außenbezirke geht.
Vieles wirkt provisorisch, ohne
einen besonderen Stil oder einen roten Faden. Vieles wirkt zusammengewürfelt,
manches nicht passend, manches wiederum aufgrund dessen charmant.
Die Restaurants und Bars, die ich bisher sehen
konnte sind nicht selten mit allem möglichen eingerichtet. Vielleicht noch dem
Thema entsprechend (s. Seabaron, voriger Post) mit Meereswerkzeug, aber
insgesamt wirkt es sehr spontan. Vor meiner Reise habe ich in einem Buch von
der Spontanität der Isländer gelesen. Wenn die eine Idee haben, die sie für gut
empfinden, wird sie umgesetzt. So wirkt es auch. Mein Abendessen an diesem Tag
bestand aus einer Súpa í brauði (Suppe im Brot). Ein
Restaurant, gegründet wohl von zwei Freundinnen oder Schwestern (sahen sich
ziemlich ähnlich) und von der Einrichtung her auch wieder ziemlich spontan. Die
Suppe war absolut empfehlenswert. Eine sehr sämige Gemüsesuppe mit
Fleischeinlage. Das Brot danach war ebenfalls sehr lecker, auch wenn ich danach
fast aus dem Restaurant gekugelt wäre, so voll wie ich war. Ich hatte
allerdings den Eindruck, dass das Restaurant aus einem spontanen Einfall
entstanden ist. Wie ich nebenher
mitbekam war eine der beiden ursprünglich Stewardess, beide sprachen
sehr gut Englisch. In diesem Fall hatte das kleine Durcheinander an
Dekoartikeln aber auch wieder Charme, zumal ich direkt am Fenster saß und somit
die Straße gut im Blick hatte.
| Modern - Alt |
| verschiedene Wandgemälde |
| Heruntergekommene Häuser auf dem Weg von Stadtmitte Richtung mein Hostel |
Da ich immer schon gerne Leute beobachte, habe ich mich auch hier wieder etwas dieser Tätigkeit gewidmet. Und ich kann sagen, Isländerinnen sind keine außergewöhnliche, nordisch-blonde Schönheiten und Isländer sind keine außergewöhnlich behaarten Bären. Sie sehen im Großen und Ganzen eigentlich ziemlich normal aus. Wobei….so ganz kann ich das auch nicht behaupten. Schließlich lässt sich hinter einer Fensterscheibe wohl kaum heraushören, ob die Menschen, die ich sah, nicht doch wieder zu der in Island (so wie in Australien und Neuseeland auch) weitverbreiteten Spezies der Engländer gehörte, die hier die vermeintliche Übernahme durch die englische Krone vorbereiten. Überall, an jeder Ecke an der man steht, überall wo man geht, überall wohin man fährt, Engländer, Schotten, Iren… Dazu kommen noch ein paar reiselustigen Amis und Kanadier und schon könnte man meinen man sei im falschen Land. (Zugegeben, ein paar Deutsche sind auch vorhanden, aber doch eher in der Minderzahl! :)) Wie richtige Isländer aussehen, werde ich wohl erst erfahren, wenn ich mir ab Sonntag auf dem Hof die Zeit vertreibe. Ich gehe mal davon aus, dass sich Touris nicht unbedingt an einem Ort aufhalten werden, an dem nichts für Touris ist. (Es werden keine Gästezimmer oder derartiges vermietet auf dem Hof.)
Nachdem dieses Rätsels Antwort
noch auf sich warten lässt, widme ich mich nun wieder dreckigen Häusern,
provisorischen Straßen und Wellblech.
Wie ich bei den Dokus über die
Eruptionen erfahren hatte, hat sich bei den Ausbrüchen viel Asche verteilt oder
Lava ist geflossen. Auch über Reykjavík hatte sich 2010 eine Ascheschicht
gelegt. Und so wie in anderen Ländern, bei denen verschiedene
Kontinentalplatten aufeinandertreffen, arbeitet auch hier der Boden und es gibt
regelmäßig kleinere Erdbeben und Eruptionen.
Daher könnte ich mir vorstellen,
dass all das Graue, das Schmutzige, das Heruntergekommene daher rührt. Die
Risse in den Hauswänden von den Erdbewegungen, die schmutzigen Hauswände von
den Ascheüberresten (daher außerhalb oft Wellblech, lässt sich leichter mit dem
Wasserstrahl reinigen), die Straßen oft ohne richtige Befestigung oder
Randstreifen außerhalb aufgrund der nötigen ständigen Erneuerungen. Man weiß es
nicht oder zumindest ich weiß es nicht. Das wär eine mögliche Erklärung,
allerdings erklärt das nicht alles. Daher werde ich auch dieses Rätsel wohl
nicht vollständig zu meiner vollen Zufriedenheit lösen können. Vielleicht kann
mir ja dann Eva weiterhelfen (meine baldige Gastmutter und Arbeitgeberin).
Es werden wohl auch weiterhin
noch einige Fragen aufkommen und hoffentlich viele auch beantwortet werden. Alles
in allem bin auch ich etwas widersprüchlich inzwischen. Auf der einen Seite
gefällt es mir hier super, auf der anderen Seite bin ich noch nicht vollständig
überzeugt. Wird der Sommer mich noch ganz überzeugen? Man darf gespannt sein…:)
| auch in Island kommt der Frühling langsam :) |


Erst0r!
AntwortenLöschen~J
sehr schön geschrieben! dein schreibstil würde sich als reiseliteratur verkaufen lassen.
AntwortenLöschendas nach faulen eiern riechende wasser kommt sicher daher, dass in es island so viele geysire und schweflige quellen gibt und somit das grundwasser an sich schon so riecht. kenne das aus kanada, allerdings schmeckts da nach chlor (bäääh).
wünschen dir eine schöne zeit und viel lebenserfahrung in island!
g. und a.
Sehr schöne Bilder meine Liebe :) und jaa ich bin neidisch :P
AntwortenLöschenViel Spaß noch und liebste Grüße aus München - Jana.