Samstag, 13. April 2013

Letzter Tag

Samstag war mein letzter ganzer Tag in Reykjavík, also  noch einmal stark überlegen, was tun. Ach stimmt, die Brauereitour, die ich am Tag vorher verpasst hatte, durfte ich heute wiederholen. Außerdem hatte ich aus lauter „ich muss jetzt wirklich hier raus und etwas tun“ eine Segway-Tour durch Reykjavík gebucht. Die hatte ich am ersten Abend in Island in der Stadt gesehen und mich im Frust wieder daran erinnert.

Da aber die Tour erst um 14:00 Uhr anfing, hatte ich noch etwas Zeit. Ich beschloss daher mir vorher noch einmal die tolle Humarsúpa zu gönnen. Das bedeutete ungefähr um viertel nach 12 loszulaufen, damit ich genug Zeit hatte für die Suppe und dann gemütlich zu dem Büro der Tour zu laufen. Dachte ich zumindest. Tja, falsch gedacht. Ich kam zwar sogar um kurz nach eins in dem Restaurant an, hab mir Zeit gelassen beim Essen und bin dann total entspannt in Richtung dem Büro gelaufen.

ganz entspannt :)
Hmm… Welche Hausnummer war das denn nochmal? Blöd, in der Bestätigungs-E-Mail steht nichts. So ungefähr weiß ich ja, wo es sein müsste, aber gibt’s hier keine Beschriftung? Irgendwelche Schilder? Muss ja nichts großes sein, aber IRGENDWAS? Es sollte sich am Hafen auf so einem kleinen Landausläufer befinden, wo es genau 2 Straßen gibt. So schwer kann es also eigentlich gar nicht sein. 
Inzwischen war es dann auch schon viertel vor zwei (da hätte ich eigentlich schon da sein sollen für die Anpassung von Helm und Einweisung…) und ich lief immer noch die beiden Straßen auf und ab. Schließlich fragte ich in einem Café, die wussten aber von nichts. Und ich dachte noch Island sei klein und jeder kennt jeden und alles. Da ich aber zumindest den Straßennamenanfang im Kopf hatte, wies die Bedienung mich dann in die andere Straße. Toll, da wär ich bestimmt nie drauf gekommen alleine. :)
Also wieder zurück den Weg, den ich eben schon einmal gelaufen bin und überlegen. Nach links ging's in Richtung Stadt, nach rechts kam irgendwann nur noch das Meer. Also lieber mal nach rechts, wenn‘s da nicht ist, dann einfach in die andere Richtung laufen. Auf jeden Fall clever gedacht… Nunja, am Ende der Straße fand ich……….kein Sway-Tour-Büro. :( 

Also nach einem Laden suchen, der irgendwie offen aussah. Wohlgemerkt hat es ständig ziemlich stark gewindet und es war ziemlich eisig. (Ok, ich geb’s zu, das Wetter ist nicht IMMER so toll hier in Island…). Meine Wahl fiel dann auf einen Schuhladen. Dort hat mir dann auch ein netter junger Mann endlich weiterhelfen können. Er wusste zwar auch nicht, wo es liegt, konnte aber wenigstens online kurz nach der Adresse schauen und mir dann erklären, wo es theoretisch sein sollte.
Überraschung! Es lag genau in die andere Richtung. Grrrr… Aber ich hätte es wohl so nie gefunden, weil das Büro in einem Haus lag, das etwas abseits der Straße war. Durch meine gute Intuition und logisches Denken bin ich dann zuerst auf die Rückseite gelaufen und siehe da, ein SEGWAY! :) Nach vielem Irren und Wirren bin ich dann sogar um kurz vor zwei endlich angekommen.

Die Managerin Linda hat sich dann auch sehr gefreut mich zu sehen. Anscheinend war ich wohl die Einzige, die sich für die Tour angemeldet hat. :) Das war natürlich super. Eine private Führung zu bekommen. Sie hat dann auch absolut verständlich reagiert, als ich ihr mein Irren erklärt habe und mich dann auch darüber informiert, dass sie die Touren praktisch erst seit Anfang April anbieten und die Schilder und Flyer noch nicht gekommen sind. Das erklärte natürlich einiges… :) (Inzwischen stehen sie wohl schon, wie man auf ihrer Homepage sehen kann.)

Nach einer kurzen Einführung durfte ich dann auch schon selber auf den Segway hüpfen, ausprobieren und dann gings auch schon los. Ich hätte nicht gedacht, dass das tatsächlich so einfach ist und so viel Spaß macht. (Mama, Papa, Geburtstagsgeschenk? ;))

Schön am Meer entlang auf Fahrradwegen, vorbei an Wohnhäusern von Berühmtheiten, das Haus des isländischen Präsidenten im Blickfeld entlang am bekanntesten „Strand“-Stück Reykjavíks. Weiter gings durch Wohnviertel, vorbei am einzigen Strand Reykjavíks (mit Sand und extra eingeleitetem heißem Wasser mit Zugang zum Meer), vorbei am Flughafen und wieder zurück in Richtung City, wo wir noch die Perlan (Warmwasserspeicher mit Glaskuppel, in der ein Restaurant ist, das sich in ca. 2 Stunden einmal um sich selbst fährt) sahen. Wir wurden von Studenten der zwei Universitäten Reykjavíks besichtigt, kamen an einem Wäldchen vorbei (wo anscheinend viele Leute ihre Kaninchen und Hasen aussetzen und daher ein immer größer werdendes Problem entsteht, weil die sich natürlich munter vermehren) und dann gings am Stadtsee vorbei wieder zurück zum Ausgangspunkt.

Anscheinend sind hier im Sommer Millionen Menschen unterwegs. :)
Daher sogar Fußgänger und Fahrradfahrer getrennt! - Volle Kraft voraus liebe Segways!
das Haus einer Berühmtheit (aus Gründen der Schweigepflicht darf ich leider nicht sagen von wem ;) )
rechts im Hintergrund wohnt der Präsident - anscheinend kann man dem einfach so Hallo sagen
Obwohl es ziemlich kalt war, hat es doch total Spaß gemacht und ich kann das als Tour nur empfehlen. Linda ist sehr nett und lustig und man sieht einen Teil der Stadt, den man so wahrscheinlich eher nicht anschaut. Es ist auch eigentlich nicht anstrengend, da man die Segways bedient indem man ein bisschen nach vorne geht oder nach hinten. Sie können bis zu 19 km/h schnell fahren und auch leichtere Steigungen und Abhänge einfach bewältigen. Ein Riesenspaß! :)

Und falls jemand bisher nicht wusste, was Segways sind, hier mal Fotos! :)

Darf ich präsentieren - Perlan! 
links im Hintergrund der Wohnsitz des Präsidenten von Island
Nach der Tour bekam ich noch etwas Heißes zu trinken und redete noch etwas mit Linda. Ich konnte sie auch allerhand Dinge fragen, die ich in Büchern über Island gelesen hatte, aber so nicht ganz glauben wollte. (Zum Beispiel, dass man schräg angeschaut wird, wenn man mit 25 noch keine Kinder hat. Das Schräg-Anschauen gibt’s wohl eher nicht, aber dass viele etwas früher Kinder kriegen wohl schon. Sie ist 27 oder 28 und hat einen Mann, zwei Kinder und hatte ihr erstes mit 23. Anscheinend ist wohl das Durchschnittsalter für das erste Kind ungefähr 20 Jahre…) Als sie von meinen Plänen hörte, zum Einen auf den Flohmarkt, der Samstags und Sonntags im alten Zollhaus stattfand zu gehen und zum Anderen 4 Monate auf einen Hof zu gehen, der bei Blönduós liegt, erzählte sie mir, dass ihr Schwiegervater auf dem Flohmarkt den wohl größten Bücherstand hatte dort und außerdem sie auch einen Verwandten hatte, der in Blönduós lebt. Doch irgendwie klein das Land. :)

Später fuhr sie mich dann noch zu dem Büro, von dem aus die Brauerei-Tour starten sollte, da die eine dreiviertel Stunde später begann. Ganz in der Nähe lag der Flohmarkt zu dem ich wollte. Da der aber um fünf schloss, schlenderte ich nur kurz drüber. Und siehe da, da war der Bücherstand und auch Linda’s Schwiegervater.

Kurz vor der Brauereitour stoppte ich noch kurz beim besten HotDog-Stand Islands und genoss eines der Lieblingsgerichte der Isländer.


Um halb sechs gings dann zur Brauerei mit einer ziemlich lustigen Busfahrerin, die allerhand Geschichten über Land und Leute in petto hatte.
In der Brauerei Egill Skallagrímsson angekommen, empfing uns eine Isländerin erst einmal mit einem Gull (Ausgesprochen wie engl. gold, s. Gullfoss – Goldener Wasserfall), das ist das Hauptbier von der Brauerei und wohl das Bekannteste Islands.
Während sie uns die Geschichte der Brauerei und des Alkohols in Island erzählte, reichte sie uns immer wieder Proben der verschiedenen Biere. Man sollte vielleicht wissen, dass es oft Ambitionen verschiedener Leute gab, Alkohol zu bannen. Zeitweise gelang es auch, wobei die Isländer immer gewisse Schlupflöcher fanden. Prohibtion war von 1915 – 1989, wobei auch währenddessen Alkohol zu ärztliche Zwecken verschrieben wurde oder auch Schmuggel und Schwarzbrennerei weitverbreitet war. (näheres unter http://de.wikipedia.org/wiki/Prohibition_in_Island)


Sie erzählte uns das ziemlich unterhaltsam, erwähnte das „Soldaten“-Bier, das speziell (während der Prohibtion) für die amerikanischen Soldaten gebraut wurde oder Bier, in dem praktisch kein Alkohol drin war (alles unter 2,25‰ Vol galt als alkoholfrei), das man dann mit Hochprozentigem vermischte (z.B. Brennivín, a.g. Black Death oder Schwarzer Tod).  




Brennivín - The original icelandic Schnapps
Nach der Geschichte konnten wir noch kurz in die eigentliche Brauerei, wo die Kessel standen und Bier probieren, bevor es zum dritten und letzten Mal gefiltert wurde.

nebenan standen noch drei Kessel in denen das Bier dann immer besser wird :)
Zum Abschluss kamen wir noch einmal in den Vorführraum und durften noch von einem anderen Bier nach Wunsch probieren, das in der Microbrewery (kleinere spezielle Kessel in denen nur jeweils 1000l Bier auf einmal produziert werden können) hergestellt wurde. 



sie brauen sogar in limitierter Auflage Hefeweisen! :)
Ich war so frei und habe das Bier „Full of Shit“ (Voll mit Sch****) probiert. Das ist ein Bier, das mit Schafdung geräuchert wurde. (Das hab ich allerdings erst hinterher erfahren mit was es geräuchert war…) Es hat sich interessant angehört und ich dachte mir nichts dabei. :) Nunja, ich weiß schon, warum man das normal mischt, wenn man es denn unbedingt trinkt… Sie hat mir zuerst ein Schluck pur gezapft…ich schnupperte….und hätte mir am liebsten selber eine gescheuert. Wer ist so blöd, ein Bier, das schon Sch**** heißt, auch noch freiwillig zu trinken und zu meinen es schmeckt ja vielleicht gut und die waren halt unkreativ oder so????? Naja, ich, wie es scheint. Es roch total nach Sch****. So hatte ich mir das nicht vorgestellt. Ich konnte dann natürlich keinen Rückzieher mehr machen und trank das Bier. Hat dann auch gar nicht so schlimm geschmeckt, nur die Nase muss man dabei geschlossen halten. :)
Sie hat mir dann auch noch anderes Bier dazu gemischt und dann wars auch schon nicht mehr so schlimm. Aber ich werds mir merken für nächsten Mal. :)

Am Abend hat es sich dann noch ergeben, dass ich mit einem englischen Paar und einem Australier Essen gegangen bin in einem Restaurant, das Laundromat hieß. Also in etwa Waschsalon. Das war ziemlich cool, weil im Untergeschoss bei den Toiletten tatsächlich Waschmaschinen standen und eine Spielecke für Kinder. Man konnte also unten die Waschmaschinen füllen und dann oben etwas essen oder trinken. Eigentlich ein super Konzept. :) Kommt auch offensichtlich ziemlich gut an. Also zumindest das Restaurant, aber es war ja auch schon später, da wäscht man ja normal nicht mehr.





An diesem Abend konnte ich ziemlich zufrieden ins Bett gehen. War es doch trotz schwierigem Start doch noch ziemlich gut geworden. :)

So viel zu meiner Zeit in Reykjavík. Am nächsten Mittag wurde ich dann von meinen Arbeitgebern, Ersatzeltern, Freunden, oder wie auch immer man sie nennen mag für die nächsten 4 Monate, abgeholt. Aber dazu dann mehr demnächst. :)

1 Kommentar:

  1. Soory Judith, aber auf dem Segway siehst du aus, wie ein Playmobil-Weibchen...zum schreien. :-)

    Ich finde es sehr gut, dass du den Datenschutz einhältst und uns nicht verrätst, wer in dem dunklen Haus wohnt...*griiiiiiiiiins*.
    Deine Erzählung ist wieder spitzenmäßig und ich habe beim lesen wirklich viel gelacht...über deinen Text,aber auch ein bißchen über dich *sorry*.

    LG Andreas

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