Sonntag, 7. April 2013

Goldener Kreis und tanzende Himmelslichter

Für den nächsten Tag war eine Tagestour gebucht, die „Gullni hringurinn“-Tour. (Der Goldene Kreis)
Los gings um acht, das hieß leider ziemlich früh aufstehen. Letztendlich spielte das aber eh keine Rolle, da ich sowieso ständig müde bin. Obs am Wetter liegt oder der Zeitumstellung, es wird gemunkelt. :)

Unser erster Stopp war der Þingvellir Nationalpark. Auf dem Weg dorthin kamen wir an meinen ersten Islandpferden und am  Þingvallavatn vorbei. 



Das ist ein See der in dem Nationalpark liegt. Er liegt im sogenannten Þingvellir-Graben, wo Amerika und Europa aufeinandertreffen und ist von vier aktiven Vulkansystemen (Prestahnúkur, Hrafnabjörg, Hengill, Hrómundartindur) umgeben.  Hier streiten sich die Geister, ob es der größte See Islands ist oder nur der zweitgrößte. (Der Stausee Þórisvatn wird als größter Konkurrent gehandelt.)

Als wir dann bei unserem eigentlichen Ziel ankamen, einem Aussichtspunkt, von dem aus man auch über den See noch sehen konnte, durften wir alle aussteigen und die obligatorischen Fotos schießen.

Man stelle sich das Jahr 930 n.C. vor. Trolle, Elfen, Feen und Einhörner tummeln sich am Lögberg, dem Gesetzesberg. Doch plötzlich sind alle verschwunden. Das Stampfen vieler Hufe, das Rasseln von Ketten, das Grölen aus hunderten Wikingerkehlen durchbricht die Stille. Es wimmelt von Kämpfern, in Felle gehüllt, mit Hörnern auf dem Kopf, Pferde werden durch das Gedränge gezogen, überall werden Zelte aufgebaut, die ersten Feuer werden angezündet, verschiedene Artisten versuchen die Krieger zu beeindrucken, erste aufkeimende Streitereien werden wieder geschlichtet. Die Fabelwesen wissen, es ist wieder so weit, das alljährliche Alþing steht an. Es werden Gesetze geschrieben, Streitereien geschlichtet, Land verteilt, Gericht abgehalten.
Nach zwei Wochen senkt sich wieder Stille über die Gegend. Die ersten Elfen streckten ihre Köpfe aus den Verstecken, die ersten Einhörner sammelten sich vorsichtig Öxarárfoss, dem Wasserfall, der das Tal mit Wasser versorgt. Das Alþing ist vorüber. Bis zum nächsten Jahr haben die Fabelwesen ihr Tal wieder für sich.

So oder so ähnlich mögen die jährlichen Versammlungen ausgesehen haben bis zum Ende des 18. Jahrhunderts, bis die Dänen das Alþing auflösten. Es gilt als eines der ältesten Parlamente der Welt. An diesem historischen Ort wurde im Jahr 1000 das Christentum beschlossen, sowie am 17. Juni 1944 die Republik Island ausgerufen.




Öxarárfoss
Auch wir dürfen noch mehr von der Landschaft erkunden und zu Fuß eine kurze Strecke über Stock und Stein  wandern oder in diesem Fall über Fluss und Stein. An manchen Stellen liegt immer noch Schnee, das Wasser ist kristallklar. Kurz vor dem Parkplatz sind noch Wasserstellen, in denen das Wasser stillsteht. Dabei so klar ist, dass man ohne Probleme die Geldstücke sehen kann, die abergläubische Touristen hineingeworfen haben (und da sagt man noch, Isländer seien verrückt, weil sie an Elfen glauben…:)) und die jetzt im Sonnenlicht glitzern.


Der nächste Halt war der wohl bekannteste Wasserfall Islands, Gullfoss, auch genannt Goldener Wasserfall. Er fließt über zwei Stufen über 32 m in die Tiefe und stürzt in eine Schlucht, die von dem Fluss Hvítá und verschiedenen Gletscherläufen seit der Eiszeit vor 10000 Jahren weiter ausgefräst wird.





Auch hierzu gibt es wieder einen historischen Hintergrund bzw. eine Person, der wir danken müssen, dass es diesen Wasserfall noch gibt. Sigríður Tómasdóttir von dem nahegelegenen Hof Brattholt veranstaltete Anfang des 20. Jahrhunderts die ersten Führungen zu dem Wasserfall und legte damit den Grundstein für den Weg zum Wasserfall. Als ein englischer Geschäftsmann den Wasserfall von Sigríðurs Vater kaufen wollte, entgegnete dieser ihm: „Ich verkaufe meinen Freund nicht!“
Später gelang es Investoren doch noch, den Wasserfall ihr Eigentum zu nennen und wollten ihn zur Energieerzeugung verwenden. Sigríður startete eine Rettungsaktion und unternahm weite Wanderungen, um gegen die Mächtigen Islands für die Erhaltung des Wasserfalls zu kämpfen.
Und wie ich mit eigenen Augen sehen konnte, hatte sie damit Erfolg. Heute (und auch schon damals) gilt Gullfoss als eine der Hauptattraktionen der Insel.

Nach der Mittagspause am Gullfoss ging es dann weiter zu dem Heißwassertal Haukadalur, in dem mehrere Geysire ihr Unwesen treiben. Unter anderem ist hier der Stóri Geysir (Großer Geysir), der wohl den Geysiren ihren Namen gab. Dieser bricht nur noch sehr selten aus, ist aber trotzdem der älteste bekannte noch gelegentlich aktive Geysir.


Ein anderer ausbrechende Geysir in diesem Gebiet ist Strokkur (dt. Butterfass). Dieser ist noch sehr aktiv und bricht regelmäßig im Abstand von ein paar Minuten aus und kommt auf eine Höhe von bis zu 40m.





Die restlichen Geysire, die dem Stóri Geysir den Hof machen, sind kleine, mehr oder weniger sprudelnde Erdlöcher, die aber nicht ausbrechen. Den üblen Geruch nach Schwefel haben jedoch alle dampfenden Erdlöcher gemeinsam, wenn man zu nahe an den Dämpfen steht.



(Ab hier war dann übrigens der Akku meiner Kamera leer, sodass ich auf mein Handy angewiesen war. Nehmt's mir nicht böse. :))
Auf dem Rückweg hielten wir noch an bei Skálholt, einer Kirche in einer kleinen Häuseransammlung, wo früher der evangelische Bischof lebte. Die Kirche hatte tolle Mosaik-Glasfenster, durch die dieses Mal leider nicht die Sonne strahlte, weil es draußen zum ersten Mal so etwas wie schlechtes Wetter gab (bewölkt und leichtes Nieseln ;)).




Wir stoppten noch an einem Vulkankrater, dessen Wasseroberfläche noch gefroren aussah und einem anderen kleineren Wasserfall, der die Besonderheit einer Lachstreppe besaß. Lachsfischerei ist wohl ziemlich groß hier in Island und da die Lachse diesen Wasserfall normal nicht hochgekommen wären, hat man da halt nebendran eine Lachstreppe gebaut. Sehr praktisch natürlich. 



Außerdem schauten wir uns noch kurz Hellisheidavirkjun an. Das ist ein Kraftwerk, das mit Erdwärme arbeitet. Das größte in Island dieser Art und das zweitgrößte der Welt. Leider hatte meine Müdigkeit an diesem Tag ihren Höhepunkt erreicht, sodass ich mir die Energie fehlte, um mich für Energie zu begeistern. :) Wir bekamen aber auch keine Tour sondern wurden in einen Ausstellungsraum geführt und hatten eine halbe Stunde Zeit uns umzusehen. Viel gab es dort nicht.



Danach ging es wieder zurück nach Reykjavík.

Für den Abend hatte ich noch eine Northern Lights Mystery Tour gebucht, also eine mysteriöse Nordlichter-Tour. Die war dann auch tatsächlich sehr mysteriös. Ich wurde um halb neun abgeholt und dann ging es wieder zurück in den Nationalpark. Die besten Konditionen, um Nordlichter oder auch genannt Aurora Borealis, zu sehen, bestehen aus einem klaren Himmel, keine größere Stadt in der Nähe, die ihre Lichter in den Himmel erstrahlen ließ und eine hohe Sonnenaktivität.
Wir hatten leider nicht allzu viel Glück. Wir mussten ca. eine Stunde in einem Café warten, bis dann endlich das Zeichen kam, dass es losgeht. Also raus in die Eiseskälte und in den Himmel starren. Wenn man lange genug hinsah, konnte man einen etwas helleren Himmel über den Bergen erkennen. Leider war es ziemlich schwierig und wirklich etwas erkennen konnte man auch nicht mit dem bloßen Auge. Einige hatte Stative und hochprofessionelle Kameras dabei, die konnten dann schöne Fotos erreichen und auch ein gewisses Grün erkennen, was mit dem Auge nicht zu sehen war.

An einer anderen Stelle im Park konnten wir dann auch tatsächlich noch die Himmelslichter tanzen sehen. Da hat man sie dann doch etwas deutlicher gesehen. Allerdings waren sie auch hier nur in weiß zu sehen. Und da es inzwischen nach Mitternacht war und meine Kamera sowieso nicht gut genug war, geschweige denn mein Wissen ausreichte für die richtige Einstellung, bin ich an der Stelle im Bus geblieben, hab mir die Lichter so angesehen und hab dann auf der Heimfahrt friedlich geschlummert. Als ich dann endlich um kurz nach zwei im Hostel war, gings nur noch darum schnell ins Bett zu kommen. Was dann auch ziemlich gut funktionierte. :)

7 Kommentare:

  1. Wie kann man sich denn die Namen merken? Ich les immer nur "H...", danach geb ich auf. Sieht für mich alles nach Kauderwelsch aus... :)

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  2. da stimme ich meinem Vorschreiber zu...ich lese immer nur Vulkan und dann überspringe ich die Namen...und wie schreibst du denn diese Worte überhaupt? :-) Das ist für mich alles genauso mysteriös wie Elfen und Trollen :-)

    Aber schreibe schön weiter..es macht riesig Spaß deinen Schreibstil zu lesen.

    LG
    Andreas

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  3. Glaubt ihr wirklich, ich geb hier meine Geheimnisse preis? :D

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    1. Man bedenke, z.B. der Vulkan den man Eyjafjallajökull schreibt, spricht man etwas anders aus: Eyja-fjatla-jöukutlu. (Falls jemand üben will bis ich wiederkomm.)

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  4. so...und was heißt das nun auf deutsch ? :-)

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    1. Das sind Eigennamen, die übersetzt man nicht. ;) Auch wenn das bestimmt etwas heißt, aber so viel Isländisch hab ich in meinen knapp zwei Wochen dann auch noch nicht gelernt...:)

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  5. achsoo...das war auch ich...der Andreas

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