Samstag, 22. Juni 2013

Wie die Zeit vergeht...

Da mir bis jetzt immer noch nichts eingefallen ist, schreib ich nun einfach, was ich die letzten Wochen so gemacht hab. :)

Vor drei Wochen haben wir die ersten Stuten (teilweise mit Fohlen) zu ihren Hengsten gebracht. Die kommen dort in eine Gruppe mit Stuten von anderen Höfen und bleiben dann für einige Zeit dort. Der Hengst kommt dann entweder mit in die Stutenherde oder die Stuten werden besamt.
Da die Höfe, die richtig züchten und mit ihren Pferden sich auch auf Turnieren präsentieren, meist im Süden liegen in der Umgebung von Reykjavík bedeutet das für uns „Nordlichter“, dass wir 7-8 Stunden im Auto sitzen. Da überlegt man natürlich schon, wie viele Stuten man zu einem besonderen Hengst fährt, zumal so ein Decksprung auch nicht immer so günstig ist.
Zwei Stuten, die schon verkauft sind und tragend nach Deutschland exportiert werden sollen, kamen zu einem Hengst, bei dem der Decksprung ca. 1000 € kostet. Das sind dann die ganz besonders hoch bewerteten Elite-Hengste, von denen die Nachfahren auch im Ausland sehr gefragt sind. Da Pferde aber nur exportiert werden dürfen, aber nicht wieder zurück nach Island importiert werden dürfen, bleiben diese Elite-Hengste auf der Insel.
Wir haben nur zwei Fahrten auf uns genommen. Für die vierte Stute wurde eine Mitfahrgelegenheit organisiert.

Hier mal ein paar Bilder von den Fahrten von und zu den Höfen.

















Das auf den Feldern sind keine Schafe, sondern Schwäne... Die bevölkern hier alles...

Die kleine Talkapelle in der Abendsonne


Bei der zweiten Fahrt zur Landeshauptstadt haben wir am Busbahnhof Julia verabschiedet, die nach fast sieben Wochen hier im schönen Vatnsdalur noch einmal für knapp vier Wochen nach Grönland ist, um dann wieder zurück nach Deutschland zu fliegen.
Als wir abends wieder zurückkamen, war das letzte Lamm geboren. Nun mussten nur noch die restlichen Schafe aus dem Stall, was ein paar Tage später passierte. Das hieß, die Lammsaison 2013 war nun offiziell zu Ende! Mit knapp über 850 Lämmern eine ziemlich erfolgreiche Saison! (957 Lämmer waren per Ultraschall angekündigt worden.)


An einem Tag war es super Wetter, ziemlich warm und am Himmel zeigten sich ein paar ziemliche einzigartige Wolkenbilder.  Man könnte fast meinen, Aliens hielten Einzug ins Vatnsdalur.

Dabei entstanden auch ein paar sehr interessante Bilder…















Oder auch sowas:


Zwei Tage lang war es von morgens bis abends ziemlich diesig und grau in grau. Es hat sich angefühlt (und auch so ausgesehen), als ob die Wolken seeeeeehr tief hängen. Das hat dann bei mir auch ein etwas beklemmendes Gefühl ausgelöst. 
Tagsüber ist es leider kaum aufgezogen. 






Gut, dass dann am dritten Tag die Wolken wieder etwas höher standen...




Und Eva die Pferde wieder sehen konnte. :)



In den nächsten Tagen reparierten wir den Zaun, der am Berg entlang führt und machten ihn schafsicher. Das bedeutete den Draht wieder festnageln und Lücken, die unter dem Zaun entstehen, wieder verschließen, sodass die Schafe nicht unten durchkriechen konnten. Dazu mussten wir den ganzen Zaun abgehen, teilweise konnten wir ihn abfahren, es war aber trotz allem ein ziemliches Stück zum laufen.

Als die Zäune sicher waren, trieben wir die Schafe von den Feldern zum Berg. Da es ein paar Schafe immer wieder schafften auf die Felder zu kommen, wo all das saftige grüne Gras wuchs, mussten wir noch öfters Schafe treiben gehen. Die meisten blieben aber wo sie sollten. :)

Schafe treiben mit dem Auto bzw. zu Fuß
Auch Klein Budda muss gehen.
Ihre Mutter hatte irgendein Problem wahrscheinlich in der Wirbelsäule  und konnte ihre Hinterläufe nicht mehr bewegen,
daher saß sie immer auf ihrem Hintern wie Budda. :)

Mensch, das waren noch Zeiten, als die Lämmer klein und süß waren...
An einem Tag kam auch eine Tierärztin, um die männlichen Jährlinge zu kastrieren. Das war ziemlich interessant, hatte ich das bisher doch nur in „Menschen, Tiere & Doktoren“ (Fernsehserie auf VOX) gesehen. Ich hab davon auch Bilder gemacht, aber die werde ich hier nicht präsentieren, da die für manche, des männlichen Geschlechts vielleicht etwas zu viel werden könnten. :) (Ist eigentlich nicht so schlimm und auch sehr unblutig.)

Wir wurden auch zu einer alten Dame gerufen, die ebenfalls ihre Jährlinge kastrieren lassen wollte und dazu Hilfe benötigte. Es war ein richtig schöner Tag mit über 25°C (an dem Mittag musste ich dann auch meinen Bikini auspacken und in die Sonne liegen. :)).  Die Dame war total nett und sympathisch und wenn sie lachte, sah sie ein bisschen so aus wie der Geist von Scary Movie. Im positivsten Sinne natürlich! :)


Sie hat auch ziemlich aufgetischt. Drei Kuchen und belegte Brote. Anscheinend ist sie das Sprachrohr des Tals. Wenn man etwas wissen will, geht man zu ihr. Wenn man die neuesten Gerüchte im Tal hören möchte, ist sie die erste Adresse. Da sie von allen Hilfe bekommt, was den Hof betrifft, hat sie ständigen Zulauf von Leuten und bekommt so das Neueste vom Neuesten mit. :) Zum Dank, dass wir ihr geholfen haben, hat sie uns dann allen selbstgestrickte Wollsocken geschenkt. (Laut Eva hat sie einige Taschen voll damit und verschenkt sie an jeden, der ihr hilft.)




Haukagil
In den letzten Wochen sind die Pferde immer weiter den Berg hinaufgezogen. Da haben sie ihre Freiheit und außerdem viel frisches Grün. Dagegen ist das Gras hier unten ziemlich langweilig.

Mit dem Fernglas auf der Suche nach Stuten, die sich für die Geburt auf den Berg verzogen haben.
Nachdem aber alle Schafe inzwischen weg sind, haben wir wieder Zeit, uns um das Training der Pferde zu kümmern. Nur, um die Pferde zu trainieren, mussten wir sie erst einmal wieder vom Berg runterbekommen.
Dazu sind Eva und ich an einem schönen sonnigen Samstag auf die andere Seite der Schlucht gefahren und ziemlich weit hoch auf den Berg. Von da aus konnte man das Hochland ziemlich gut überblicken und so konnten wir sehen, wo die Pferde derzeit stehen. (Hier sei angemerkt, danke, dass Pferde Herdentiere sind und sich nicht so sehr verstreuen, wie Schafe das tun…)
Am Nachmittag hat uns Valdi dann ein Stück weit den Berg hochgefahren, den Rest durften wir querfeldein laufen. Die Pferde zu lokalisieren, war nicht so schwer und bald war es dann auch nur noch eine Gruppe und nicht mehrere, so ließen sie sich besser treiben. Allerdings waren sie auch als Gruppe immer noch sehr flott unterwegs, was bedeutete, dass ich sie meistens nur von ziemlich weit weg sah. :)
Aber tapfer wie ich bin, bin ich ihnen einfach weiter hinterher gestiefelt. Eva im Abstand von ca. 100 m oder mehr in die gleiche Richtung, sodass die Pferde zumindest in die richtige Richtung liefen. So sind wir drei Stunden über das Hochland gestapft. Da oben waren lauter Hügelchen und dazwischen Sumpf. Also, wo lang laufen? Nunja, immer geradeaus. :) Mit nassen Füßen, dem Wind in den Haaren über Hügelchen und kleine Bäche, dabei aufpassen, dass man nicht im Schlamm stecken bleibt und immer das Ziel vor Augen bzw. die Pferde und den Zaun am anderen Ende.
An einer Schlucht am Ende des Haugakil-Landes, da, wo die Elfen leben, sammelten sich dann die Pferde mit ihren Fohlen. Nun war ein Ende in Sicht. Die Isländer mussten nur noch den Berg hinunter und dann in einen Pferch, auch genannt Rétt. Dass das nochmal eine gute halbe Stunde gedauert hat, weil die Pferde im Zickzack über den ganzen Hang abwärts liefen, das sei nur nebenbei erwähnt.
Insgesamt lief es aber doch echt gut.

Rechts ganz klein noch Haugakil, hinter mir den Hausberg.
Da sieht man schon die erste Gruppe der Pferde
Und los gehts...

Zwischendurch ein paar Blümchen fotografieren...:)

Da, gaaaanz hinten kann man die Pferde ganz klein sehen.  





Auch Eva läuft...und läuft....und läuft....und läuft...:)
Auf dem Weg liegen auch mal Überreste von Schafen, die beim Schafabtrieb im Herbst wohl nicht mehr dabei waren...

Die Elfen lassen grüßen...


Und endlich ist der Hof wieder in Sicht.
Unten angekommen zogen Eva und ich uns erst einmal um. Dann gabs eine kurze Kaffeepause, auch damit die Pferde wieder zur Ruhe kommen konnten und die Mütter ihre Fohlen finden konnten, die evtl. in dem Durcheinander etwas zurückgeblieben sind.
Dann gings ans Aussortieren. Zuerst die, die halfterführig waren und mit denen wir die nächsten Wochen trainieren wollten zum Stall bringen. Dann die Pferde, die wieder zurück auf den Berg durften, laufen lassen. Zurück blieben die Stuten mit ihren Fohlen. Dieses Jahr durfte wieder ein erst dreijähriger Hengst sein Glück mit den Frauen probieren. Da er aber noch so jung war, sollten nicht allzu viele Stuten in die Herde. Also durften noch weitere Stuten mit ihren Fohlen zurück auf den Berg. Die restlichen Stuten kamen auf eine große Wiese am Hang des Berges, wo dann einen Tag später auch der Hengst hinzukam. Der Hengst wird für ca. zwei Monate hier bleiben. In diesem Fall muss man nichts dafür zahlen. Island hat ein Überangebot an Hengsten und da diese nicht einfach mit aufs Hochland geschickt werden können, müssen sie immer extra gehalten werden. Das verursacht große Extrakosten. Aus diesem Grund sind die Hengstbesitzer immer sehr froh, wenn sie ihre Hengste für eine Weile los sind und geben sie auch gerne kostenlos her. Die richtig gut bewerteten Hengste, die richtig zur Zucht verwendet werden natürlich nicht. Aber es sind trotzdem Hengste mit gutem Charakter und guten Eigenschaften, die (noch) nicht so gefragt sind, weil sie (meistens) noch ziemlich jung sind oder noch nicht vorgestellt wurden bei Turnieren.

Beim Aussortieren stellte sich auch heraus, dass es inzwischen 11 Hengstfohlen gibt und 4 Stutfohlen und es stehen noch weitere aus. Nach weiteren 2 ½ Stunden war auch das Aussortieren zu Ende und wir konnten endlich Feierabend machen.











Auch die Pferde waren geschafft nach dem langen Tag...
Das war letztes Wochenende. Seither haben wir angefangen, die Pferde zu trainieren. Es sind alle Stufen dabei. Stelpa, die noch gar nichts kann wird langsam an Halfter, Trense und Sattel gewöhnt. Ihr (Halb-)Bruder Ketill Máni, der schon Sattel und Trense kennt, allerdings noch keinen Reiter auf dem Rücken hatte. Pjakkur und Helmingur, zwei (Halb-)Brüder , die schon eingeritten sind, aber die man noch weiter trainieren muss, um sie sicherer unter dem Reiter zu machen und auch, um sie dann mal auf Ausritte zu nehmen. Glögg ist auch schon eingeritten, sie war auch letztes Jahr schon bei einem Schrittausritt, ist also schon ziemlich weit. Allerdings muss man ihr noch weiter Sicherheit vermitteln und weitere Übungen unter dem Reiter machen.
Ansonsten haben wir noch Spurning, Hrói, Svarti-Tvistur, Mósa, Snafari und Skvísa, die ja schon vor der Lammsaison am Hof waren. Mit ihnen (außer Spurning) gehen wir hauptsächlich auf Ausritte, auf denen wir dann die Gangarten trainieren. Svarti-Tvistur, Mósa und Snafari müssen z.B. ihren Tölt verbessern. Dafür eignet sich dann unebenes Gelände sehr gut, da sie dort leichter in Tölt fallen, als auf der Straße.

h.l.: Helmingur, Spurning, Ketill Máni
v.l.: Stelpa, Pjakkur, Skvísa, Hrói, Svarti-Tvistur, Glögg, Mósa, Snafari
Spurning
Hrói, unser Robin Hood und Helmingur
Stelpa
Glögg
Wenn man bei den Ausritten die Augen aufhält, kann man jede Menge Blumen entdecken. Auch wenn in Island an sich nicht viel wächst, so blüht doch ziemlich viel. (Wie schon im letzten Blog erwähnt.) Löwenzahn ist weit verbreitet, vor allem da, wo keine Schafe weideten. Ansonsten gibt’s auch jede Menge anderer Blumen. Kunterbunt. Man muss nur etwas genauer hinschauen, da die alle ziemlich an bodennähe wachsen. Demnächst werde ich wieder meine Kamera auch auf Ausritte mitnehmen (ohne Jacke ist das immer etwas schwierig…:)) und dann kann ich an manchen Stellen absteigen und noch ein paar Blümchenbilder machen.

Außerdem haben wir angefangen, den alten Schafstall zu richten. Dazu musste erst einmal einiges zerstört werden und ziemlich viel (inzwischen) Erde rausgetragen werden. Hier soll dann später eine Sattelkammer, zwei Anbindestellen und zwei Boxen hinkommen. Das wird aber wohl noch eine Weile dauern.

Ich hab leider zu spät ein Foto gemacht, sonst wär der Vorher/Nachher-Effekt um einiges größer.
Hier ist der ganze Dreck schon draußen, das Holzgestänge abgerissen, das Gitter, das über dem Dreck war, weg...
Alles in allem eine Heidenarbeit und praktisch fast nur mit Frauenpower, da Valdi meistens woanders beschäftigt war!! :)
Heute durfte Svarti-Tvistur zeigen, was er kann. Da hatten sich wieder mal ein paar Schafe mit ihren Lämmern auf die Wiese hinterm Haus gewagt, um das schöne Gras, das eigentlich für die Heuernte geplant ist, wegzuknabbern. Die mussten also wieder da runter. Ich hab schon gemerkt, dass Svarti plötzlich ganz aufmerksam wurde und ziemlich zielstrebig auf die Schafe zulief. Als diese abhauen wollten und in die entgegengesetzte Richtung rannten, brauchte Svarti keine Aufmunterung meinerseits, um ihnen hinterher zu gehen. Wir holten sie in flottem Tempo wieder ein und trieben sie (unterbrochen von ein paar Haken vonseiten der Schafe) durchs Tor, dahin, wo sie hinsollten… :)
Das war ziemlich cool! :) Mal was anderes, als Ausreiten, auch wenn das auch immer ziemlich toll ist.
Auf dem Rücken der Pferde liegt halt doch das Glück der Erde! :)


Dodaaaal entschbannd...:)
P.s. Die Vogeleier gehörten übrigens einem Rotschenkel aus der Familie der Regenpfeifer, auch genannt Stelkur. Einen Goldregenpfeifer (was wir zuerst vermuteten) hab ich auch schon gesehen. (Hier gilt mein Dank Clemens B., der mich auf die richtige Spur gebracht hat. :)) Zudem gibt es hier jede Menge Kría (Küstenseeschwalben), Maríuerla (Bachstelzen, die im Pferdestall ihre Jungen großziehen) und noch weitere (noch) nicht identifizierte Vögel.
P.s.s. Wen es interessiert, Eva führt eine Homepage über Haukagil. http://haukagil.jimdo.com/
P.s.s.s. Es sind nur noch 6 1/2 Wochen bis Denise kommt und 8 1/2 Wochen bis ich wieder deutschen Boden unter den Füßen hab. Wie die Zeit vergeht.....d=o

1 Kommentar:

  1. wieder mal wunderbar zu lesen und zu bestaunen. Ein toller Bericht. LG aus BC :)

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